Snapdragon 855: Qualcomms Antwort auf Huawei und Apple

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Eines gleich vorweg: Natürlich ist der neue Prozessor schneller als sein Vorgänger, und das sowohl bei der Rechen- als auch bei der Grafikleistung. Der im 7-Nanometer-Verfahren hergestellte Snapdragon 855 hat acht Kryo-485-Kerne an Bord und schafft bis zu 2,84 GHz Taktfrequenz. Im Alltag soll sich das Leistungsplus unter anderem durch noch schneller startende Apps bemerkbar machen. Für die Grafik ist eine Adreno 640 zuständig, der Nachfolger der Adreno 630 im Snapdragon 845.

Die wichtigsten Punkte des Snapdragon 855 in der Übersicht, bei den Vergleichen gilt jeweils der Snapdragon 845 als Referenz:

  • 45 Prozent mehr Rechenleistung
  • 20 Prozent mehr Grafikleistung
  • dreimal schnellere KI-Leistung
  • LTE bis zu 2 Gbit/s
  • 5G-fähig mit X50-Modem
  • ISP mit Computer Vision
  • HEIF-Bildformat

Die schnellste Smartphone-KI

Einer der zentralen Bereiche des Snapdragon 855 ist der DSP (Digital Signal Processor) namens Hexagon 690. Dort findet sich nun ein neues Bauteil, der Tensor Accelarator, der eigens für Machine-Learning-Funktinen entwickelt wurde – ein Pendant zur NPU im Kirin 980 und Apples Neural Engine auf dem A12 Bionic. Qualcomms KI-Chip schafft laut Angaben des Herstellers 7 Billionen Berechnungen pro Sekunde, das sind 2 Billionen mehr als der A12 Bionic. Qualcomm gibt an, der Snapdragon 855 sei bei KI-Aufgaben doppelt so leistungsfähig wie der Kirin 980 und „merklich schneller“ als der SoC von Apple.

snapdragon 855 mobile platform chip front So klein, so stark: der Snapdragon 855. / © Qualcomm

Qualcomm nutzt die KI unter anderem für die Motiverkennung beim Fotografieren, für Echtzeit-Effekte bei Videos, etwa für ein ansehnliches Bokeh, aber auch für die Sprachqualität. Wer die entsprechende Funktion auf dem Smartphone aktiviert, kann nervige und laute Hintergrundgeräusche für den Gesprächspartner komplett herausfiltern. Qualcomm hat das auf dem Snapdragon Tech Summit eindrucksvoll demonstriert.

Bessere Fotos und Videos mit dem neuen Snapdragon

Bei Smartphone-Kameras haben nicht nur die Linsen und Sensoren sowie die Software einen großen Einfluss auf die Qualität der Fotos und Videos, sondern auch der Chip, genauer der ISP, der Image Signal Processor. Der Spectra 380 von Qualcomm besteht aus zwei 14-Bit-ISP und verbessert durch spezialisierte Hardware-Beschleunigung unter anderem die Videoaufnahmen.

Der Snapdragon 855 macht 4K-Aufnahmen mit 60 fps und HDR10 möglich. Ebenfalls mit 4K und HDR arbeitet die Echtzeit-Motiverkennung für den Bokeh-Effekt, damit ist Qualcomm der Konkurrenz einen kleinen Schritt voraus. Multi-Frame Noise Reduction soll das Bildrauschen merklich reduzieren.

Ebenfalls neu für Qualcomm ist das Bildformat HEIF (High Efficiency Image File Format), das mittelfristig JPEG ablösen soll und bereits von Android 9 Pie unterstützt wird. HEIF kann mehr Daten pro Bild speichern, etwa die Tiefeninformationen und die RAW-Daten und verkleinert dabei sogar noch die Dateigröße. Auch kurze Videos zu einem Foto können mit HEIF direkt in einer Datei gespeichert werden.

snapdragon 855 mobile platform chip on wafer Qualcomms neuer Mobile-Chip bringt viele Vorteile. / © Qualcomm

Der Snapdragon 855 ist 5G-fähig, aber nur in Verbindung mit dem X50-Modem. Das ist kein Teil des SoC, sondern muss zusätzlich und im Paket mit bis zu vier mmWave-Antennen noch mit ins Smartphone eingebaut werden. Das X24-Modem, das integraler Bestandteil des Snapdragon 855 ist, unterstützt unter anderem KTE mit bis zu 2 Gbit/s und WLAN mit bis zu 60 GHz.

Wenn sich ein Hersteller dazu entscheidet, das X50-Modem zu verbauen, muss er in Kauf nehmen, dass das Smartphone ein wenig dicker wird oder beim Akku abspecken – die zusätzlichen Bauteile müssen ja irgendwo hin. Dafür können die 5G-Smartphones mit dem Snapdragon 855 gleichzeitig in 4G und 5G funken und sind so immer optimal mit dem Netz verbunden.

Vor allem in den kommenden Falt-Smartphones ist mehr als genug Platz für die Antennen und das 5G-Modem. Die speziellen Anforderungen an das Display – oder sogar mehrere Bildschirme – stellen für den Snapdragon 855 kein Problem dar, nur die Software muss entsprechend angepasst werden.

Sicherer durch Ultraschall

Nicht mehr ganz neu, aber jetzt endlich marktreif ist der 3D Sonic Sensor, ein neuen Fingerabdrucksensor, der vom Snapdragon 855 unterstützt wird. Der erstellt mittels Ultraschall ein komplettes 3D-Bild des Fingerabdrucks und soll so dreckige, nasse oder ölverschmierte Finger genauso schnell und zuverlässig erkennen wie saubere.

Die ersten Smartphones mit dem Snapdragon 855 kommen Anfang 2019 auf den Markt, der erste Hersteller wird OnePlus sein.

Freut Ihr Euch auf die Smartphones mit dem neuen Snapdragon 855?

This article was originally posted on AndroidPIT

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