Review: Kygo E7/900 – Haben die AirPods überhaupt Konkurrenz?

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Dieses Review testet nicht nur die neuen Kygo E7/900, sondern auch stellvertretend, wie sich das In-Ear Konzept sämtlicher Konkurrenten gegen die AirPods schlägt. Als jahrelange AirPods Nutzer konnte Patrick eindrücklich beweisen, wie gut Apples Konzept doch ist.

Indem Apple Ende 2016 die komplett kabellosen AirPods vorstellte, prägte das kalifornische Unternehmen gefühlt eine neue Geräteklasse – nämlich „true wireless“-Kopfhörer. Anfangs noch spöttisch belächelt, man erinnere sich an all die Fotos mit den Zahnbürstenköpfen im Ohr, entwickelten sich die AirPods zu einem absoluten Kassenschlager und avancierten zum weltweit meistverkauftesten Bluetooth-Kopfhörer. Klar, dass etabliertere Kopfhörer-Marken von dem Kuchen auch eine Scheibe abhaben wollten und entsprechende Modelle auf den Markt brachten. Eine dieser Marken ist Kygolife des norwegischen DJs Kygo der mit den Kygo E7/900 ebenfalls ein true wireless Kopfhörer im Angebot hat. Diesen durfte ich nun in den vergangenen drei Wochen testen und möchte Euch mein Testergebnis nicht vorenthalten.

Verpackung und Inhalt

Kygo liefert die E7/900 in der getesteten weißen Variante in einer quadratischen Verpackung aus auf der sich schon erste Hinweise über die Ausrichtung des Kopfhörers finden lassen. So möchte man durch das „Sport“ sowie dem Hinweis „True Wireless Sports Earphones“ gar keine Zweifel aufkommen lassen, welchen primären Einsatzzweck die Kopfhörer haben. Nachdem man das Siegel an der Seite durchtrennt und den Deckel aufklappt, blickt man schon direkt auf den Inhalt. Hier wird sehr deutlich, dass der norwegische DJ Kygo nicht nur seinen Namen hergab, sondern sich tatsächlich aktiv in die Produktentwicklung einbrachte. So finden wir neben dem Kopfhörer und dem Transport-Case, welches gleichzeitig als Charging-Case dient, zwei weitere Ohrbügel sowie drei Silikon-Aufsätze in den Größen S, M und L. Als Highlight ist zusätzlich noch ein paar Comply Form Tips aus Memo-Schaum mit beigelegt, zu denen ich noch später komme.

Technische Ausstattung

Um es vorweg zu nehmen; an der technischen Ausstattung wurde nahezu volle Hütte angekreuzt um es eine wenig salopp zu formulieren. Die E7/900 kommen mit Bluetooth 5.0 (bessere Reichweite und verbesserte Codecs für die Datenkomprimierung bei der Übertragung), der Unterstützung für AAC, einem Mikrofon sowie einer IPX7-Zertifizierung (zeitweiliges Untertauchen ist kein Problem) daher. Gerade die hohe Schutzklasse ist bei Kopfhörern eher ungewöhnlich; die Konkurrenz von Bose oder JBL offeriert hier zumeist nur IPX4.

Die beiden Ohrstücke weisen einen Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 45 mAh auf womit die Kopfhörer auf eine Laufzeit von knappen drei Stunden kommen. Mithilfe des mitgelieferten Case, welches löblicherweise schon einen USB-C-Port zum Aufladen besitzt, können die Earbuds dreimal aufgeladen werden sodass schlussendlich eine Spielzeit von bis zu 12 Stunden möglich ist. Eine Schnellladefunktion ist allerdings nicht vorhanden. Im Case selbst sind noch vier kleine LED´s verbaut, die blau leuchten, und euch einen Überblick über die verbleibende Akkukapazität geben. Ein kleines aber feines Detail.

Außerdem ist noch eine sogenannte Multifunktionstaste zur Steuerung der grundlegenden Funktionen für die Musikwiedergabe sowie der Aktivierung von „Hey Siri“ vorhanden.

Exkurs: Was ist der AAC Codec?

Musik in digitaler Form unterliegt immer einer Komprimierung. Hierzu gibt es zwei marktführende Verfahren namens MP3 und AAC, wobei das als MP3 bekannte Verfahren des Fraunhofer Institut das Geläufigere ist.

Im Zuge einer entsprechenden Komprimierung wird mit sogenannter Psychoakustik gearbeitet. Hierbei werden bestimmte Tonfrequenzen, die das menschliche Ohr gar nicht oder nur sehr schwach wahrnehmen kann, „eingespart“. Gleiches gilt auch für zwei extrem naheliegenden Tonhöhen, die das menschliche Ohr ebenfalls nicht unterscheiden kann. Diese werden bei der Komprimierung also weggefiltert, um den Speicherbedarf der Ausgangsdatei zu senken. Deswegen sprechen wir auch hier von einer verlustbehafteten Komprimierung – unter der übrigens auch der AAC-Codec leidet.

Durch die spätere Entwicklung konnte man die Qualität der Fehlerbehebungs- und Kodierungsalgorithmen deutlich anheben, weshalb sich bei gleichem Speicherverbrauch im Vergleich zu einer MP3 ein deutlich besseres Ergebnis erzielen lässt.

Inbetriebnahme

Wer einmal die AirPods sein Eigen nennt und das einfache Verbinden durch das Aufklappen des Case kennt, wird sich beim Kygo E7/900 etwas in die guten alten Zeiten zurückversetzt fühlen. So verbinden sich die beiden Earbuds zwar untereinander, was man mit einem ziemlich horrenden Englisch als Audio-Feedback (ich höre immer dwight channel auf meinem rechten Ohr, es soll wohl right channel heißen) vermittelt bekommt. Doch die Verbindung zum iPhone muss manuell erfolgen. Also heißt es ab in die Einstellungen >> Bluetooth >> Andere Geräte. Erfreulicherweise findet das iPhone die Kygo Earbuds sehr zuverlässig – da habe ich mit schon andere Erfahrungen machen müssen. Das erfolgreiche Verbinden der Earbuds wird euch ebenfalls mit einem Audio-Feedback mitgeteilt.

Sind die Earbuds einmal mit dem Device verbunden, zeigen die kleinen LEDs an der Unterseite mit einem gleichmäßig blauen Blinken die erfolgreiche Verbindung zum Gerät an. Selbige geben euch auch Auskunft, dass die Earbus beim Zurücklegen in das Case geladen werden. Auch hier lässt sich also durchaus Liebe zum Detail finden.

Im Betrieb lässt sich der Akkustand der Kygo E7/900 zumindest auf einem iPhone bequem über das Batterie-Widget auslesen. Selbstverständlich wird auch das typische Icon im Control-Center angezeigt, was allerdings schon seit iOS 9 möglich ist.

Tragekomfort des Kygo E7/900

Mein Kopf und meine Ohren sind verhältnismäßig klein und trotzdem haben die Earbuds mit dem ab Werk aufgesteckten Ohrbügel einen relativ sicheren Halt für den Alltag. Jedoch könnten Sie für meinen Geschmack gerade beim Laufen noch etwas fester im Ohr sitzen, was ich aber als subjektiv erachte. Viel wichtiger ist es, dass die Earbuds im Gehörgang nicht drücken und sich mit angenehm tragen – auch nach längerer Zeit. Dazu trägt auch das geringe Gewicht von 5 Gramm pro Ohrstück bei. Die AirPods sind aber noch ein Ticken angenehmer zu tragen. Immerhin lassen sich die Kopfhörer aufgrund der rechte geringen Bautiefe auch bequem unter einer Mütze oder einem Stirnband tragen.

Das Wichtigste – der Sound

Mit seiner technischen Ausstattung von Bluetooth 5.0 und der Unterstützung des AAC-Codec sollten eigentlich alle Voraussetzungen gegeben sein, oder?

Ich wünschte wirklich es wäre so einfach zu beantworten, doch leider hat es mir der Kygo E7/900 extrem schwer gemacht. Aber der Reihe nach und zur besseren Einordnung noch kurz was zum namensgebenden DJ.

Kygo ist definitiv in der elektronischen Musik im sogenannten EDM beheimatet und gilt als Mitbegründer der Richtung Tropical House. Verschiedene Instrumente wie ein Saxophon, Marimba, Gitarre, Klavier oder ein Piano werden mit einer Percussion in einem 4-to-the-floor-Rythmus bei einem Tempo von 100 bis 125 BMP produziert.

Das ist wichtig, um das Klangbild einordnen zu können, denn ich habe selten einen eindimensionaleren Kopfhörer in punkto Soundqualität erlebt. Der Kygo E7/900 weist eine sehr charakteristische Abstimmung auf, die definitiv nur bei elektronischer Musik und mit Abstrichen bei Hip-Hop angenehm zum Hören ist.

Im Bassfundament und im Tieftonbereich ist der E7/900 enorm druckvoll und breit aufgestellt und kann einen enormen Punch entwickeln. Darüber hinaus verliert der Kopfhörer allerdings die Mitten und Höhen nahezu vollständig. Sie sind zwar vorhanden und werden durchaus differenziert und vergleichsweise sauber wiedergegeben, doch es fehlt ihnen an der gewissen Luftigkeit und Transparenz. In Kombination mit dem zu präsenten Bass ergibt sich einfach nicht wirklich harmonisches Klangbild – es hört sich einfach irgendwie immer unrund an.

Nehmen wir beispielsweise den Track Africa als Bacall Remix von Bacall & Malo. Der Anfang kommt schön satt daher und breitet eine satte Bühne aus. Doch sobald der elektronische Gesang einsetzt, merkt man einfach, dass die Mitten und Höhen komplett verloren gehen. Richtig deutlich wird es dann nach dem Refrain sobald der Beat wieder voll einsetzt. Die feinen Details in den höheren Tonlagen gehen einfach vollständig unter.

Gleiches lässt sich bei genrespezifischen Tracks wie Levels von Avicii feststellen. Gerade in der Radio Edition lässt sich sehr schön mit dem ersten Beat die Unsauberkeit der Hi-Hat feststellen, die sich einfach ausgefranst anhört. Setzt der eigentliche Beat ab Min. 0:23 ein wird es wieder enorm druckvoll. Doch auch hier gehen die Mitten und die Höhen im direkten Vergleich nahezu vollständig unter. Sobald die Vocals in dem Track einsetzen wird es fast schon spitz und unangenehm im Ohr, zumindest für mich.

Das berühmte Drum-Solo von Phil Collins „In the Air Tonight“ ab Min. 03:41 unterstreicht das meiner Meinung nach am Eindrucksvollsten. Die nacheinander abgespielten Tomtoms des Schlagzeugs sind richtig knackig, doch die anderen Details wie der leicht gepitchte Refrain von Collins verlieren hier einfach an Intensität und dadurch wird es einfach unrund.

Doch auch im House-Genre zeigt der Kygo E7/900 ein sehr ambivalentes Verhalten in der Klangdarstellung wie oben schon bei Levels von Avicii angedeutet. Haben wir es aber mit einer starken Bass-Line wie Animals von Martin Garrix zu tun, zeigt der E7/900 sein ganzes Können. Der Bass ist nicht nur knackig und on Point, sondern „wabert“ auch schön was sich gerade am Anfang sehr deutlich zeigt. Richtig Freude kommt dann beim ersten Drop bei Min. 0:58 auf, wenn der Bass wieder einsetzt. Der pustet mal so richtig den Gehörgang frei.

Grundsätzlich lässt sich also festhalten, dass sich der Kopfhörer ganz eindeutig im Bassbereich am wohlsten fühlt, was sowohl für Instrumente als auch den Gesang gilt. Dies lässt sich sehr schön an Memories von David Guetta feststellten. Der Track steigt sofort mit einem harten Beat an, der den Track kontinuierlich anschiebt und ihm seine Dynamik verleiht. Die tiefe Stimme von Kid Cudie kommt dabei schön zum Tragen und rundet das Klangbild ab – sobald aber höhere Stimmen, und seien sie elektronisch wie im Song „Like I Do“, dazukommen, wird es unsauber und das Klangbild säuft ab.

Dabei will ich nochmal betonen, dass ich die aufgeführten Songs einmal mit den normalen Silikonaufsätzen als auch mit dem Comply Tips als Memory Foam durchgeführt habe. Letztere sollen den Gehörgang noch etwas besser abdichten, damit man sich ausschließlich auf den Sound konzentrieren kann. An den, zugegeben subjektiven, Eindrücken konnte das nichts ändern.

Dies und Das – was mir sonst noch aufgefallen ist

Nachdem ich mich also nun mit dem Sound ausführlich beschäftigt habe, komme ich mich noch auf einige kleine Details: Da wäre nämlich zum einen das integrierte Mikrofon zum Telefonieren. Das ist leider wirklich schlecht. Meine Gesprächspartner hatten immer große Mühen mich zu verstehen – egal ob ich draußen auf der Straße rumlief, oder zuhause in den eigenen vier Wänden war.

Diesbezüglich ist mir noch ein weiteres Detail unangenehm ins Auge gestochen. Sämtliche Gespräche waren nur als Mono-Spur auf dem rechten Ohrstück zu vernehmen.

Das Aufladen der beiden Earbuds wiederum gelingt vorbildlich: Case aufklappen und die beiden Earbuds in die vorgesehene Mulde legen. Die verbauten Kontaktpins treffen auf den Aufladekontakt – fertig. Die rot aufleuchtenden LED an den beiden Ohrstücken bestätigen das Aufladen zudem auch noch mit einem visuellen Hinweis.

Last but not least kommen wir zur Multifunktionstaste, die mehr Zierde ist, als wirklichen Nutzen bringt. Das liegt in der schlechten Umsetzung begründet. Ein Doppeltipp auf die Taste im rechten Ohrhörer stoppt die Wiedergabe, doch für Restart der Musik-Wiedergabe muss man lediglich einmal drücken. Das ist schon etwas verwirrend und führte bei mir zu einiger Frustration. Will ich den Sprachassistenten starten, drücke ich doppelt auf die Taste im linken Ohrstück. Doch es vergeht unglaublich viel Zeit, bis ich das typische, tonale Feedback von Siri bekomme, sodass ich dann oftmals zum iPhone greife und Siri dort starte. Da fällt der leicht undefinierte Druckpunkt der Tasten mit dem etwas zu harten Knacken auch nicht weiter auf.

Fazit

So ambivalent der Kygo E7/900 im Bereich der Klangqualität ist, so ambivalent fällt auch das Testfazit aus. Auf der einen Seite spürt man den Anspruch sowie die Liebe zum Detail, einen wirklichen Konkurrenten zu den AirPods auf den Markt zu bringen. Vor allem der optimale Sitz war nicht zuletzt durch die verschiedenen Ohrbügel sowie den Silikonaufsätzen einiges an Aufwand wert.

Auch beim Sound wurde während der Entwicklung durch den Einsatz von Bluetooth 5.0, der Unterstützung des AAC-Codes sowie einem Satz Comply Tips mit Memory Foam eigentlich alles hineingepackt, um klangtechnisch überzeugen zu können.

Doch ausgerechnet hier patzt der Kygo E7/900  – und zwar maßgeblich. Er ist klanglich leider viel zu eindimensional. Das gilt gerade und insbesondere für seine Genres House und das Subgenre Tropical House, da er einfach zu dominant im Bassbereich ist und dadurch den Mitten und Höhen zu wenig Platz lässt.

Wem ist dieser Kopfhörer also zu empfehlen? Einem iPhone-User? Dem würde ich tendenziell eher zu den AirPods raten. Diese sind im direkten Vergleich in der Bassleistung fast ebenbürtig performant, aber bei den Mitten und Höhen deutlich besser. Zudem sind sie für iPhone-User in der Alltagsbedienung deutlich komfortabler – gerade was das Koppeln, das Case und Siri anbelangt.

Am ehesten würde ich den Kopfhörer für Runner empfehlen, die mit einer entsprechenden Tracklist regelmäßig Laufen gehen – da kann das dann auch gerne ein Android-Gerät sein.

Für iOS-User bleiben aus den oben genannten Gründen die AirPods als Gesamtpaket im Bereich der True Wireless Kopfhörer weiterhin das Maß der Dinge.

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Wie seht Ihr das? Ist der Test zu hart? Schreibt uns das Feedback gerne in die Kommentare.

Nutzt jemand von euch sogar die Kygo Stöpsel?

This article was originally posted on Apfelpage

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